© Laÿna Droz


Drei Monate Freiwilligenarbeit auf einem Bio-Bauernhof im Süden von Fukushima

Bericht von Laÿna Droz

Das Projekt, dem ich mich letzten Sommer angeschlossen habe, heisst “Kanazawa Farm”. Es bestand darin, der Bäuerin Yoko-san zu helfen. Meine Hauptmotivation, in diesem Projekt mitzumachen, lag darin, eine neue Kultur und eine andere Art zu leben kennenzulernen und auch darin, dass es sich um ein Umweltprojekt handelte; ich fühlte mich noch nicht bereit und reif genug, in einem Projekt mitzumachen, in dem Menschen in schwierigen Situationen betreut werden, wie es in vielen Langzeit-Einsätzen gefragt ist.

Jeder Arbeitstag fing gleich an: Zuerst kochte und frühstückte ich mit Yoko-san in ihrer Küche (das vollwertige Frühstück bestand aus Reis, gebratenem Gemüse, Eiern und Miso-Suppe). Anschliessend gingen wir zum Hühnerstall und kümmerten uns um die Hühner und Enten (Futterboxen reinigen, neues Futter geben, Gras schneiden und dann den Tieren geben, Wasser wechseln und die Eier einsammeln). Dies dauerte jeweils ungefähr zwei Stunden. Danach erledigten wir die Arbeiten, die gerade anfielen. Im Juni verbrachte ich viele Nachmittage auf dem Reisfeld und beseitigte Gras, das von den Enten nicht gefressen worden war. Meistens mussten wir auch Gemüse ernten, uns um die Felder kümmern, die Eier waschen und Kisten für Yoko-sans Lieferdienst vorbereiten.
Während meines Aufenthaltes fanden auf dem Bauernhof Kanazawa zwei Workcamps statt. Dies gab mir die grossartige Gelegenheit, andere Japaner/-innen und Freiwillige aus der ganzen Welt kennen zu lernen. Gemeinsam meisterten wir Dinge, die ohne die gesamte Gruppe der Freiwilligen nicht möglich gewesen, und so säuberten wir gemeinsam den Waldrand eines Bambuswaldes und einen kleinen Fluss.
Ich hatte das Gefühl, meine Arbeit in diesem Camp war sehr hilfreich. Yoko-san bewältigte das grosse Arbeitspensum zwar bis anhin gut alleine, aber seit der nuklearen Katasthrophe von Fukushima hat sich die ökomonische Situation stark verschlechtert. Yoko-san hat Kunden verloren und kann ihr Gemüse nicht mehr zum gleichen Preis verkaufen wie vorher. Direkt nach der Katastrophe musste sie den Boden 30cm-tief umgraben und verlor auf diese Weise den Grossteil ihrer Ernte. Dazu kam noch, dass seit der Katastrophe sich niemand mehr für einen Langzeiteinsatz gemeldet hatte.
Für mich war der Einsatz eine wundervolle menschliche Erfahrung. Yoko-san ist sehr liebenswürdig und geduldig. Ich habe viel Japanisch gelernt und noch mehr über menschliche Wärme und Stärke. Ich habe Wissenschaftler angetroffen, welche die Höhe der Radioaktivität auf dem Bauernhof messen, die offenbar zumeist das international genormte Mass für die Bevölkerung nicht überschreitet. Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass neue Freiwillige zum Kanazawa Bauernhof reisen, denn Yoko-san braucht Hilfe, und es war eine der besten Erfahrungen meines Lebens.