Eindrücke aus einem Langzeiteinsatz in Kirgistan

Bericht von Madeleine Müller

Seit drei Monaten bin ich bereits unterwegs, davon zwei Monate in Kirgistan. Nur einen Monat habe ich noch vor mir. Ich sage „nur“ weil die Zeit hier unglaublich schnell vorbei geht. Nach vier Wochen „Russisch auffrischen“ in Irkutsk (Sibirien) flog ich nach Kirgistan um in einem heilpädagogischen Kindergarten zu arbeiten. Ich mag die Arbeit mit Kindern und freute mich auf diese Erfahrung, obwohl ich nicht recht wusste, was auf mich zukommen würde. Mitlerweile habe ich mich in der „Schweiz Zentralasiens“ eingelebt und habe nun einiges mehr über den Kindergarten „Кыялкечтер“ zu berichten als noch vor 2 Monaten.

Der heilpädagogische Kindergarten „Кыялкечтер“ befindet sich in einem kleinen Dorf namens Ak-Suu, ganz im Osten von Kirgistan. Die Kinder sind zwischen 2 und 22 Jahren alt. Das Alter spielt aber keine Rolle, da die Kinder verschiedenste Einschränkungen haben. Nicht alle Kinder haben eine Diagnose; Autismus, Trisomie 21, Geh- oder Mehrfachbehinderung gehören zu den bekannten. Da ich keine (heil)pädagogische Ausbildung haben, kann ich mit Definitionen von Krankeitsbildern sowieso nicht viel anfangen und nehme die Kinder jeden Tag, wie sie vor mir stehen.

Jeden Morgen werden die Kinder mit der Marshrutka abgeholt und in den Kindergarten gefahren. Ich gehe etwas früher in den Kindergarten und bereite den Kascha zu. Sobald die Kinder da sind, frühstücken wir zusammen und putzen anschliessend unsere Zähne. Die Kinder essen im Kindergarten ebenfalls zu Mittag und bekommen um 16:00 noch ein ausgiebiges z’Vieri bevor sie sich für den Heimweg bereitmachen. Zwischen den Mahlzeiten kann ich meine Fantasie walten lassen und meine Ideen mit den Kinder umsetzen. Malen mit Wasserfarben oder mit dem Ball im Garten spielen gehören oft zu meinem Programm. Wir haben aber auch schon ein kleines Buch zusammen gebastelt, getöpfert, gebaken und arbeiten im Moment an einem Mobilé aus Salzteig. Weder die Feinmotorik, noch die Grobmotorik, noch die Konzentrationsfähigkeit ist bei allen sehr gut ausgeprägt, was mich jeden Tag wieder erfinderisch werden lässt um ihnen möglichst viel Abwechslung (mit Lehrneffekt) zu bieten.

So verbringe ich viele fröhliche Stunden im Kindergarten. Das schönste ist es aber zu sehen, wie sich mein Engagement lohnt. Mein selbstgebasteles „Schwarzer Peter“ - Spiel zum Beispiel ist gerade sehr im Trend. Obwohl wir nich mit der „Schwarzen Peter“ – Karte (die in meinem Spiel übrigens ein Gewitter ist, um politisch korrekt zu bleiben) spielen und somit immer alle zur selben Zeit fertig werden bereitet es den Kindern viel Spass.

Sprachlich ist der Kindergarten ideal. Mit Kindern arbeitend gibt es „ein-Wort-nicht-wissen“ nicht. Fehlt etwas im Vokabular schlägt man es nach und braucht es sofort, dass es nicht mehr vergessen geht. Leider weiss ich von niemandem, der mich im August ersetzen wird, was für die Kinder sehr schade ist. Die Arbeit im heilpädagogischen Kindergarten in Kirgistan ist definitiv für alle Beteiligten eine Bereicherung. Kinder und Mitarbeiterinnen profitieren von frischem Wind und neuen Inputs. Ich als Freiwillige profitierte enorm in Sachen Sprache und konnte so viele schöne Erfahrungen machen, dass ich sie nicht alle aufzählen kann. Für mich hat sich dieser Aufenthalt auf jeden Fall zu 100 Prozent gelohnt!